Herbst am Müritzsee
es gibt immer zwei Möglichkeiten…
fährt man mit, hat man es gut. In Abwandlung dieses Spruches, können wir uns schon am Anreisetag auf
einen Cafébesuch in einem restaurierten Gutshaus freuen. Natürlich ist alles für uns vorbereitet. Danach
suchen wir die Burganlage Wredenhagen. Nicht leicht zu finden. Zweimal durchs Dorf. Die Leute gucken
schon scheel, ehe wir die Reste der Burg finden. Auf einem kleinen Berg umrunden wir die Freifläche mit
teilweise erhaltener Umfriedung, großem Innenhof mit dicken uralten Bäumen. Kein Mensch zu sehen. Wer
hat hier gelebt und wann? Eine Schautafel gibt Aufschluss. Aber die meisten schauen über die Mauerfragmente
in die schöne Landschaft. Noch ein paar Fotos für die Nachwelt, und nun geht es doch zu unserer Unterkunft.
Nach dem obglitorischen Suppen fassen, drängeln wir uns auf der Terrasse, über uns das Kreischen
der Kraniche , die auf der Suche nach ihren Schlafplätzen sind. Wir haben es nicht weit, wohnen Tür an
Tür, und irgendwann verschwinden wir auch in unsere Häuser...
Unser Ziel heute: Penzlin. In der alten Burg sollen wir Schauriges erfahren. Erst sitzen wir in der düsteren
Küche, werden über die Bedeutung –heute noch gebräuchlicher– Redewendungen aufgeklärt, bekommen
kleine Anekdoten zu hören und begeben uns dann in den Speisesaal der ehemaligen Besitzer derer von
von Maltzahn. Bevor wir uns in den Keller begeben, wird uns die grausige Wirklichkeit der Hexenverfolgung,
die bis ins späte 17. Jh. stattfand, nahegebracht. Aber, wie schlimm es mit den Folterungen für die
vermeintlichen „Hexen“ war, wird im Verlies verdeutlicht. Streckbank, Daumenschrauben, Sessel mit Nägeln
als Sitzfläche. Und noch ein paar holprige Stufen tiefer, das Verlies, in dem die verurteilten Frauen angekettet
auf die Vollstreckung des Urteiles, sprich Hinrichtung warteten. Schauerlich und unfassbar.
Wir sind froh als wir wieder das Tageslicht sehen, denn das gab es dort unten selbstverständlich nicht.
Aber nun lassen wir uns im Burgrestaurant mit Kuchen verwöhnen und verscheuchen die Gedanken
an das Gesehene. Noch ein wenig Gegend auf sich wirken lassen, bevor wir abends in trauter Runde
zusammen sitzen und auf den gebratenen Zander warten, der gestern Morgen noch im See schwamm, um
heute serviert zu werden. Fisch muss sein.
In Röbel entern wir die „Störtebecker“, und mit diesem Schiff werden wir 2 Stunden über die Müritz
geschippert. Zuerst frische Luft auf dem Oberdeck, dann verschwinden wir nach unten (mollig warm).
Den Nachmittag erleben Einige in der trubeligen Kunstscheune, Andere wandern an den See. Aber auf das
gemeinsame Essen am Abend verzichten wir natürlich nicht.
Was vergeht die Zeit, nun geht es schon wieder gen Heimat. Aber etwas haben wir noch vor. Bei strahlendem
Sonnenschein fahren wir zu einem Industriemuseum – nämlich zur Ziegelei in Benzin. Anfang des 20. Jh.
wurde hier Ton abgebaut und ein schlauer Mann entwickelte ein Verfahren, diesen in rechteckige, wie wir sie
kennen, Backsteine zu formen, zu recht zuschneiden und letztendlich in einem Ringofen zu brennen Die Hitze,
die dort herrschte, erleben wir nicht, wohl aber Staub und Lautstärke der Maschinen (die extra für uns in Gang
gesetzt werden). Unter welchen Bedingungen hier gearbeitet wurde! Da soll noch mal einer sagen: „früher war
alles besser.“
Ja - und wir – wir fahren noch einmal zum Schloss Ludwigslust, lassen es uns gut gehen, wandeln durch den
schönen Schlosspark und machen uns nun wirklich auf den Heimweg.


Edith Kalisch60